Depressionen durch Hodenkrebs

10.05.2012

Die Diagnose Hodenkrebs ist für jeden Mann, und auch für jede hinter diesem stehende Familie, immer ein enorm großer Schock. Und obwohl Hodenkrebs bei einer rechtzeitigen Erkennung gute Heilungschancen vorweist, endet die Phase des Leidens für die Patienten meistens nicht mit dem "erfolgreichen" Abschluss der Therapie. Viele Männer leiden bereits während der Behandlung, und oft auch Monate oder Jahre nach dieser, unter Depressionen. Die Statistiken sind hier bedenklich deutlich. Laut diesen leidet mindestens jeder dritte Mann, bei dem Hodenkrebs diagnostiziert wurde, im Laufe der Therapie oder nach dieser, unter einer mittelschweren bis schweren Depression.

Die Dunkelziffer liegt aber eindeutig höher. Denn viele Betroffene, vor allem die mit leichteren Depressionserscheinungen, lassen sich nicht behandeln. Jedoch ist es nicht empfehlenswert, die Symptome einer Depression mit sich alleine auszuhandeln. Aber warum geht die Diagnose Hodenkrebs oft mit Depressionen einher? Wie kann man diese frühzeitig erkennen? Wie kann man als Angehöriger helfen? Und wie sollte man eine Depression am besten behandeln lassen?

Diagnose Hodenkrebs und Depressionen?

Ein depressiver Mann sitzt auf dem Boden und weint.
Auch wenn die ersten Anzeichen einer Depression nur schwer zu erkennen sind: Es besteht Handlungsbedarf! (Lizenz: CC BY-SA 2.0 von Stu auf flickr.com)

Für viele Männer ist Hodenkrebs weitaus mehr, als "nur" eine schwere Krankheit. Eine Krankheit, die geheilt werden und nach der das Leben weiter gehen kann. Hodenkrebs, und die Folgen der Therapie, wirken sich oft auf das Selbstwertgefühl des Mannes aus. Manchmal tritt dies sehr offensichtlich auf, oft aber nur recht unterschwellig. Immer bedeutete es aber, dass der Mann sich in seiner Rolle als solcher nicht mehr als vollwertig empfindet. Sprich: Er sieht sich nicht mehr als ganzer Mann an. Manchmal handeln Männer diesen Hintergedanken ein ganzes weiteres Leben heimlich mit sich aus. Dabei wird er sehr oft verdrängt. Denn das Thema Hodenkrebs ist nach wie vor ein häufiges Tabuthema, über das nur die wenigsten Betroffenen gerne sprechen. Schon gar nicht mit ihren Frauen oder mit Freunden, die nicht betroffen sind oder waren. Der Hintergedanke, ob unterschwellig oder nicht, ist das vermeintliche "Nichtverständnis" der Unbeteiligten - und nicht selten sogar die Beschämtheit der Betroffenen.

Deshalb kann die Rolle der engen Freunde und der Familie aber auch so ungemein wichtig sein. Sie sollten dem Betroffenen nicht nur während der Behandlung zur Seite stehen, sondern auch danach. Depressionen entstehen übrigens oft schleichend und zeigen sich auch nicht immer sofort und deutlich. Sehr oft machen sie sich allerdings durch zunehmende Unlust bemerkbar. Der Betroffene verkriecht sich in den eigenen vier Wänden oder sogar in sich selbst. Da die Symptome einer Depression aber noch viel drastischer werden können, sollte man hier bereits hellhörig werden. Denn tragisch aber belegt: Mehr als zehn Prozent der Menschen, die an einer starken Depression leiden, begehen Selbstmord.

Depressionen: Muster, Symptome und Behandlungswege

Es ist also wichtig rechtzeitig zu handeln. Am besten, wenn sich die ersten Anzeichen einer aufkeimenden Depression zeigen. Weitere oft verzeichnete Symptome einer Depression sind:

  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • sehr drastische Stimmungsschwankungen
  • Persönlichkeitsveränderungen

Menschen mit Depressionen neigen häufig dazu, ihre Verhaltensmuster langsam oder auch plötzlich zu ändern. Heiß geliebte Hobbys werden plötzlich verachtet und Menschen, die einem früher nahe standen, werden von sich gedrängt. Hinzukommt eine auffallend negative Sicht auf alle Dinge des Alltags oder auch auf das alltägliche Leben. Und ein großer Teil der Männer, die unter Hodenkrebs litten, weisen nach der Behandlung eine langzeitige Unlust auf körperliche Nähe und auf sexuelle Handlungen vor. Zudem versuchen diese manchmal auch, ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl auf ungewohnte Art und Weise wieder aufzubauen. Beispielsweise durch Hobbys oder Zielsetzungen, die sehr untypisch für die ursprünglichen Vorlieben des Betroffenen sind. Hier sollte man aufpassen, dass man allzu gewagte Vorhaben nicht als "neue Lebenslust" missinterpretiert.

Viele Ärzte empfehlen ihren Patienten, schon vor dem Therapiebeginn eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Ist das bereits geschehen, wäre es sinnvoll die widersprüchlichen Gefühle dort im Vertrauen anzusprechen. Hat man noch keine Selbsthilfegruppe zur Hand, sollte man spätestens jetzt eine solche aufsuchen. Wem das zu unangenehm ist, dem wäre es nahezulegen, professionelle Hilfe aufzusuchen: etwa Selbsthilfevereine, die anonyme Beratungen anbieten, oder auch einen Therapeuten. Ist man vollkommen ratlos, bringt es bereits viel, den behandelnden Hausarzt auf seine Befürchtungen anzusprechen. Dieser wird Rat wissen und sinnvolle Anlaufstellen und Adressen weitergeben können. Keinesfalls sollte man sich auf den Gedanken vertrösten, dass man das Gefühlschaos, wie es sich vor allem zu Beginn der Depressionen anfühlt, früher oder später alleine bewältigen wird.