Private Krankenversicherung trotz chronischer Krankheit?

30.03.2012

In Deutschland gibt es ja grundlegend zwei unterschiedliche Krankenversicherungssysteme, die gesetzliche und die private Krankenversicherung. Während die gesetzliche Krankenkasse sich nicht aussuchen kann, wen sie aufnimmt, kann die private Krankenversicherung genau entscheiden, wen sie bei sich im Versichertenkollektiv haben möchte und wen nicht (Die einzige Ausnahme bildet in wenigen Fällen der so genannte Basistarif, der allerdings nur der gesetzlichen Krankenversicherung nachempfunden ist).

KO-Kriterium Hodenkrebs?

Die Gesundheitskarte, wie sie bald alle gesetzlich Versicherten tragen sollen.
Auch mit Hodenkrebs ist es möglich, die Gesundheitskarte der gesetzlich Versicherten abzulegen und in eine PKV zu wechseln.

Gerade Menschen, die an Hodenkrebs erkrankt sind, trauen sich daher kaum, einen Antrag für eine private Krankenversicherung auszufüllen, da Sie Angst haben, vom Versicherer "doch eh nur abgelehnt" zu werden. Zwar mag dies in vielen Fällen auch stimmen, es gibt aber auch durchaus Fälle, in denen eine bereits erkrankte Person noch in die private Krankenversicherung aufgenommen wurde. Wie im Leben so oft, gilt auch hier: Fragen kostet nichts.

Was man allerdings wissen sollte, ist, dass die privaten Krankenversicherung natürlich stets bemüht sind, ihre Kostenstrukturen so gering wie nur irgendwie möglich zu halten. Aus diesem Grund kann es durchaus passieren, dass die private Krankenversicherung dem Kunden zwar mitteilt, dass eine Aufnahme ins Versichertenkollektiv grundsätzlich erfolgen kann, dass zu diesem Zweck aber entweder Leistungen aus dem Vertrag ausgeschlossen werden, oder aber, dass ein erheblicher Beitragszuschlag verlangt wird. Dieser Beitragszuschlag ist dabei von dauerhafter Natur und wird höchstwahrscheinlich nie aus dem Vertrag entfernt werden.

Genau vergleichen

Man sollte unbedingt mehrere private Krankenversicherungen vergleichen (z.B auf http://www.pkv-vergleich.net/) und sehr genau im Bereich der Leistungsausschlüsse hinschauen, denn um den Beitrag einigermaßen übersichtlich zu halten, werden sehr gerne einzelne Leistungsbausteine aus den Verträgen ausgeschlossen. Dies führt aber in der Regel zu einem deutlich verschlechterten Versicherungsschutz, was für viele chronisch Kranke den Wechsel in die private Krankenversicherung überhaupt nicht mehr attraktiv erscheinen lässt.

Vorerkrankungen nicht verschweigen

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Machen Sie bitte nicht den Fehler und glauben, dass es irgendeinen Sinn hat, der Versicherung die Vorerkrankung Hodenkrebs zu verschweigen. Spätestens wenn es darum geht, eine Leistung in Anspruch zu nehmen, wird der Versicherer die Angaben des Versicherungsnehmers / der Versicherungsnehmerin überprüfen und ggf. rückwirkend ab Beginn von dem geschlossenen Vertrag zurücktreten. Mit der Begründung, dass die vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt worden ist, wird die Versicherungsgesellschaft nicht nur vom Vertrag zurücktreten - auch die eingezahlten Beiträge werden in vielen Fällen nicht zurückerstattet. Aus diesem Grund gilt, dass man lieber von Anfang an mit offenen Karten spielen sollte, denn fair bleibt fair. Und "Fair" hält am längsten.